Donnerstag, 31. Juli 2014

Band 1 pfui, Band 2 hui - Bei welchen Reihen sich das Durchhalten lohnt

Typisches Szenario: Man beginnt genüsslich eine neue Reihe, Erwartungen mehr oder minder hoch. Doch dann wird man leider bitter enttäuscht. Logische Schlussfolgerung, weg mit der Reihe und ab zur nächsten. Aber manchmal, selten zwar, aber durchaus möglich, sollte man eine Reihe nach einem schlechten Auftakt nicht direkt aufgeben.
Besonders lohnt sich das Durchhalten zum Beispiel bei "Sternenfeuer" von Amy Kathleen Ryan. Der erste Band "Gefährliche Lügen" konnte mich überhaupt nicht überzeugen, weshalb Band 2 erst einmal eine halbe Ewigkeit im Regal verstauben musste. Warum auch immer, ich habe irgendwann doch zu "Vertraue niemandem" gegriffen und war restlos begeistert.
Ähnlich ging es mir mit "Legend" von Marie Lu. Die Reihe wurde gehyped, bevor sie überhaupt erschienen ist, doch mir hat der erste Band nicht in dem Maße gefallen, wie ich es erwartet hätte. Von Band zu Band wurde es aber besser und ich bin so froh, nicht nach dem ersten Band aufgehört zu haben!
Deprimierend ist es aber natürlich nicht nur dann, wenn der erste Band schlecht ausfällt, sondern auch, wenn bei einer längeren Reihe mit akzeptablem Auftakt immer schlechtere Bände folgen. Hier gibt es auch wirklich negative Beispiele, bei denen es nicht wieder besser wird, aber um die soll es hier nicht gehen.
Durchwachsen, aber mit erneutem Aufschwung ist vor allem die "Evermore"-Reihe von Alyson Noel. Hier ist es ein ständiger Wechsel zwischen schwachen und starken Bänden, aber im Gesamten bleibt die Reihe wirklich durchweg positiv in Erinnerung, wenn man sich sich denn nicht von den Durchhängern abschrecken lässt.
Ähnlich, wenn auch noch extremer ist es bei "Tagebuch eines Vampirs". Allerdings mit dem Manko, dass es ab einem gewissen Punkt dann doch nur noch abwärts geht, weshalb ich diese Reihe hier eher mit Vorsicht erwähne.

Mittwoch, 30. Juli 2014

[Rezension] Watersong - Todeslied

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Hocking_AWatersong_3_-_Todeslied_141129.jpgTitel: Todeslied
Originaltitel: Tidal
Autor/in: Amanda Hocking
Reihe: Watersong #3
Preis: 16,99€
Seiten: 416
Verlag: cbt
Erscheinungdatum: 28. Juli 2014
ISBN-13: 978-3570161616
Leseprobe
Dunkel die Gezeiten, ewig ihr Geheimnis

Gemmas Tage sind gezählt. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis Penn sie durch ein anderes Mädchen ersetzen – und töten wird. Gemma hat nur eine Chance, den Fluch zu brechen: Sie muss das jahrhundertealte Schriftstück finden, auf dem der Sirenenbann verewigt ist, und es vernichten – selbst wenn sie damit das Leben von Thea, ihrer einzigen Freundin unter den Schwestern des Meeres, aufs Spiel setzt. Fieberhaft macht Gemma sich auf die Suche, ohne etwas von Penns teuflischem Plan zu ahnen. Und der bringt nicht nur Daniel in Versuchung, sondern auch Gemma und Harper in höchste Gefahr ...


"Todeslied" ist eine deutliche Steigerung gegenüber Band 2, Gemma und Harper sind sympathisch wie zu Anfang und auch die Sirenen nehmen immer konkretere Formen an. Die Story spitzt sich langsam zu, der Druck auf Gemma wächst und wächst und ein Ende des Fluches scheint immer unmöglicher zu werden.

Während Band eins durch tolle Lichtreflexe begeisterte und Band zwei mithilfe von Spotlack etwas Pepp verliehen wurde, fehlen Band drei solche kleinen Extras. Das Motiv hingegen ist erneut sehr schön, passt perfekt zu den beiden anderen Bänden und sticht aus der Masse heraus.

Nach dem Durchhänger in "Wiegenlied" fährt dir Autorin hier wieder ihr Repertoire an grandiosen Chrakteren auf. Gemma, Harper und Daniel präsentieren sich gewohnt vielschichtig und authentisch, zeigen deutliche Entwicklungen und können vollkommen überzeugen.
Doch auch die anderen Figuren bekommen nun endlich mehr Farbe. Die Sirenen entpuppen sich als deutlich komplexer, als es bisher den Anschein hatte. Es werden zunehmend Rückblicke in die Vergangenheit gewährt, sodass man nach und nach mehr über die Schwestern erfährt. Hier werden ganz neue Seiten an ihnen aufgedeckt und das bisher recht schwarz/weiß gehaltene Bild von ihnen wird deutlich verwaschener.
Die neu gewonnene Komplexität verleiht dem Buch wesentlich mehr Authentizität und auch der in Band 2 geschlossene Waffenstillstand wird dadurch um einiges glaubwürdiger.
Nicht nur die Charaktere selbst, sondern auch die Beziehungen untereinander nehmen neue Züge an, so scheint beispielsweise Penn einen Narren an Daniel gefressen zu haben, Gemmas Freundschaft zu Thea intensiviert sich, während ihr Verhältnis zu Alex eine reine Katastrophe ist.
Zudem bekommen auch Gemmas und Harpers Eltern wieder mehr Auftritte und auch Harpers Kollegin Marcy bekommt eine wichtigere Rolle. Besser als jede Soap!


Handlungstechnisch war der zweite Band eine große Enttäuschung, wodurch ich umso mehr von "Todeslied" überrascht bin!
Die Geschichte ist fesselnd, spannend, komplex, authentisch, und geht deutlich vorran, und tappt nicht ständig auf der Stelle, als überflüssiger Lückenfüller zum Finale.
Gemma ist zurück Zuhause, doch der vorübergehende Frieden mit den Sirenen ist wacklig. Sie sind bereits auf der Suche nach einem Ersatz für Gemma, die sich nach wie vor nicht mit ihrem Schicksal abfinden will. Mithilfe ihrer Schwester Harper, deren Freund Daniel und Marcy, versucht sie einen Weg zu finden, den Fluch rückgängig zu machen und die Sirenen ein für alle mal loszuwerden. Doch die Suche geht nur langsam vorran und Gemma rennt die Zeit davon.
Technisch gesehen passiert nicht wirklich viel, doch was das Buch dennoch so faszinierend macht, sind die vielen Details hinter der Story, sowie die immer komplizierter werdende Beziehung zu den Sirenen, die, zumindest teilweise, an Feindseligkeit verliert.
Doch der Schein trügt, denn nicht alle sind gut auf Gemma zu sprechen. Das Buch endet mit einem fantastischen Showdown und einer völlig überraschenden Entwicklung, die einen alles in Frage stellen lässt, was man bisher geglaubt hat.
Es wird definitiv spannend und man ist sich alles andere als sicher, ob man sich den bisher angepeilten Ausgang der Geschichte überhaupt noch wünscht.

Amanda Hockings größte Stärke sind absolut ihre Settings. Man kann das Meer förmlich riechen!
Doch hier überzeugt sie auch wieder mit ihren Figuren, mit ihrem Fingerspitzengefühl für komplexe Beziehungen und mit ihrem gemächlichen, aber stetig ansteigendem Spannungsaufbau. Auch ihre bildhafte Sprache ist hier wieder ausgeprägter und lässt das Buch zum Leben erwachen.


4,4 Punkte


Amanda Hocking
© Mariah Paaverud Chimera Studios
Amanda Hocking, geboren 1984, lebt in Austin, Minnesota. Sie wurde im Zeitraum von Dezember 2010 bis März 2011 mit ihren selbst verlegten Romanen überraschend zur Auflagen- und Dollar-Millionärin. Inzwischen hat die ehemalige Altenpflegerin Filmrechte für eine ihrer Trilogien verkauft und mit dem US-Verlag St Martin's Press Verträge über mehrbändige Jugendbuchreihen abgeschlossen. Hocking gilt als derzeit erfolgreichste selbst verlegte Schriftstellerin der Welt.

Dienstag, 29. Juli 2014

[Neu im Regal] A Game of Thrones: A Song of Ice and Fire

http://bookwormzbooks.files.wordpress.com/2012/01/a-game-of-thrones-a-song-of-ice-and-fire-book-1.jpg
Titel: A Song of Ice and Fire
Originaltitel:
/
Autor/in:
George R. R. Martin
Reihe:
A Game of Thrones #1
Preis:
6,00€
Seiten:
864
Verlag: Bantam
Erscheinungdatum: 4. August 1997
ISBN-13:
978-0553573404

Long ago, in a time forgotten, a preternatural event threw the seasons out of balance. In a land where summers can last decades and winters a lifetime, trouble is brewing. The cold is returning, and in the frozen wastes to the north of Winterfell, sinister and supernatural forces are massing beyond the kingdom’s protective Wall. At the center of the conflict lie the Starks of Winterfell, a family as harsh and unyielding as the land they were born to. Sweeping from a land of brutal cold to a distant summertime kingdom of epicurean plenty, here is a tale of lords and ladies, soldiers and sorcerers, assassins and bastards, who come together in a time of grim omens.

Here an enigmatic band of warriors bear swords of no human metal; a tribe of fierce wildlings carry men off into madness; a cruel young dragon prince barters his sister to win back his throne; and a determined woman undertakes the most treacherous of journeys. Amid plots and counterplots, tragedy and betrayal, victory and terror, the fate of the Starks, their allies, and their enemies hangs perilously in the balance, as each endeavors to win that deadliest of conflicts: the game of thrones.

Montag, 28. Juli 2014

[Rezension] Isola

http://2.bp.blogspot.com/-1hkbsbjSo-w/TlljlVD8jNI/AAAAAAAAAIE/xHHHf_EOIMA/s1600/Isola.jpgTitel: Isola
Originaltitel: /
Autor/in: Isabel Abedi
Reihe: /
Preis: 7,99€
Seiten: 328
Verlag: Arena
Erscheinungdatum: Juni 2007
ISBN-13: 978-3401503868
Zwölf Jugendliche, drei Wochen allein auf einer einsamen Insel vor Rio de Janeiro - als Darsteller eines Films, bei dem nur sie allein die Handlung bestimmen. Doch bald schon wird das paradiesische Idyll für jeden von ihnen zu einer ganz persönlichen Hölle. Und am Ende müssen die Jugendlichen erkennen, dass die Lösung tief in ihnen selbst liegt.


"Isola" hat früher zu meinen Lieblingsbüchern gezählt, und auch heute noch, ist es unheimlich faszinierend. Die Kullisse vor der brasilianischen Küste ist einfach ein Traum und der Showdown sorgt für ordentlich Spannung.
Davon abgesehen hatte ich die Story etwas stärker in Erinnerung, man wird eben doch älter ;)

Das Cover ist einfach perfekt. Die Linse, in der sich ein Ausschnitt der Insel spiegelt, vor dem schwarzen Hintergrund ist mehr als ein Eyecatcher. Vom Titel braucht man gar nicht reden, sowohl Insel, als auch Isolation stecken in dem Wort, zudem ist es der Name des geplanten Films. Besser geht nicht.

An die Charaktere konnte ich mich großteils noch recht gut erinnern, allerdings war ausgerechnet Protagonsitin Vera für mich die größte Enttäuschung. Sie ist sehr in sich gekehrt und verschlossen, redet so gut wie nie und lässt niemanden an sich heran. Während ich das früher sehr geheimnisvoll und faszinierend gefunden habe, geht sie mir mit ihrer Art heute eher auf die Nerven. Ich hasse es, wenn jemand nicht einfach mal den Mund aufmacht. Da kann man ja meinen sie wäre stumm...
Ansonsten bewundere ich nach wie vor die Vielfältigkeit der Figuren, die alle sehr unterschiedlich und prägnant sind, aber nicht zu einseitig. Man trifft auf die skurrilsten Persönlichkeiten, eine schräger, als die andere, und dennoch authentisch. Hier und da wäre etwas mehr Tiefe und noch mehr Infos schön, doch da Vera die meisten der Figuren nur flüchtig kennenlernt und sie zudem eine Rolle spielen, von der man nicht weiß, was Wahrheit und was Fiktion ist, hat das alles seine Richtigkeit.
Die Handlungen und Reaktionen der einzelnen Figuren erschienen mir hingegen oft merkwürdig und nicht nachvollziehbar. Wie kann man noch alleine in ein Zimmer gehen, wenn die Möglichkeit besteht, dass ein Mörder frei herumläuft? Und im Gegensatz dazu in Panik ausbrechen, wenn man erfährt, dass einer von ihnen einen Mörder spielen soll?
Das war leider in meinen Augen wirklich recht oft unverhältnismäßig. Was direkt zur Liebesgeschichte führt, die ich früher absolut toll fand und die mich jetzt nur verwirrt die Stirn runzeln lässt. Gespräche gibt es eigentlich nicht. Okay, kann vorkommen, braucht es ja nicht. Aber der weitere Verlauf ist so... hirnrissig... Was allerdings wieder an Veras Art liegt, wirklich, ich konnte mit ihr gar nichts mehr anfangen.



Quint Tempelhoff, einer der erfolgreichsten Regisseure Deutschlands, plant ein grandioses neues Projekt. Zwölf Jugendliche sollen für drei Wochen auf eine einsame Insel vor der Küste Brasiliens geschickt werden, wo sie rund um die Uhr von Kameras überwacht werden. Aus diesem Material will Tempelhoff einen Film zusammenschneiden.
Bei der Ankunft auf der Insel sind die sechs Jungen und sechs Mädchen noch etwas gehemmt, doch nach und nach fällt das Gefühl, unter ständiger Beobachtung zu stehen von ihnen ab. Langsam baut sich eine gewisse Gruppendynamik auf, die Insel bezaubert sie und die drei Wochen scheinen vielversprechend zu werden.
Bis eine unerwartete Regieanweisung alles auf den Kopf stellt. Einer der Jugendlichen soll zum Mörder werden und die anderen nach und nach eliminieren. Ein harmloses Spiel, das allerdings schnell ernst wird, denn irgendwann fließt wirklich Blut...
Wie gesagt, war das Buch früher eines meiner Lieblingsbücher, und auch jetzt kann die Insel mich nach wie vor begeistern. Die schönen Szenen am Strand, die wirklich faszinierenden Figuren und das Gemisch aus Realität und Fiktion sind wirklich super. Doch dann kommt das Spiel, das eine, für mich unerklärliche Panik auslöst.
Warum alle so schockiert sind, kann ich wirklich nicht verstehen, es ist schließlich ein Spiel. Und als es dann doch irgendwann ernst wird, bleiben sie verhältnismäßig ruhig.
Wiederum genial sind die letzten 50 bis 100 Seiten die noch einmal richtig, richtig spannend werden und ein wirklich ungeahntes Geheimnis aufdecken. Dieser letzte Abschnitt deckt sich vollkommen mit meinen positiven Erinnerungen.

Ich habe mehrere Bücher von Isabel Abedi gelesen und muss sagen, ihr Schreibstil gefällt mir nach wie vor. Sie schreibt für Jugendbücher vollkommen angemessen, locker, leicht, flüssig, aber dennoch nicht anspruchslos. Ihre Kulissen sind stets ein Meisterwerk und ihrer Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Die gründlichen Nachforschungen merkt man ihren Büchern deutlich an, wodurch sie sehr realistisch wirken.


3,9 Punkte


© Hergen Schimpf
Isabel Abedi hat 13 Jahre lang als Werbetexterin gearbeitet. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Deutschlands. Ihr Roman "Whisper" wurde für den deutschen Jugendliteraturpreis 2006 nominiert, der Roman "Isola" war Spiegel-Bestseller. Isabel Abedi lebt mit ihrer Familie in Hamburg.

Samstag, 26. Juli 2014

[Rezension] Zertrennlich

http://www.script5.de/_cover_media/titel/648h/7181.jpgTitel: Zertrennlich
Originaltitel: The Twins
Autor/in: Saskia Sarginson
Reihe: /
Preis: 18,95€
Seiten: 416
Verlag: script5
Erscheinungdatum: 21. Juli 2014
ISBN-13: 978-3839001523
Leseprobe
Eine bewegende und fesselnde Reise zu den dunklen Geheimnissen einer Kindheit, die aus einem unzertrennlichen Ganzen zwei Schwestern machte, die einander wie Fremde erscheinen. Ein flirrender Sommer an Englands Ostküste. Die Zwillingsschwestern Viola und Isolte sind durch duftende Kiefernwälder gestreift, haben auf nebelüberfluteten Lichtungen längst vergessene Sagengestalten beschworen und den scharfen, salzigen Wind des Meeres geatmet. Doch nun, fünfzehn Jahre später, scheinen die beiden nichts mehr gemein zu haben. Während Isolte sich mit verzweifelter Lebensfreude der Welt entgegenwirft, hungert Viola sich in den sicheren Tod. Während eine der Schwestern sich verbissen an ihre Ziele und Pläne klammert, wünscht die andere nichts sehnlicher, als sich aufzulösen und ihrer Vergangenheit zu entkommen. Welcher unaussprechliche Schrecken ist geschehen in jenem Sommer, als alles möglich schien und der das Erwachsenwerden zweier Zwillingsschwestern so unerbittlich bestimmt? In ihrem hochgelobten Debüt schafft Saskia Sarginson eine bewegende Liebesgeschichte und einen Spannungsroman, dessen Geschichte mitreißt und dessen Atmosphäre lange nachklingt.


"Zertrennlich" erzählt die Geschichte der Zwillinge Isolte und Viola, deren Leben sich durch ein schreckliches Ereignis vollkommen veränderte. Aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, müssen die Beiden sich in London ein komplett neues Leben aufbauen, wobei sie sich immer weiter voneinander entfernen. Drückend und emotional!

Das Cover wurde nahezu exakt übernommen, in meinen Augen passen die Schriftart des deutschen Covers und die etwas verwaschenen Farben aber sogar noch besser zusammen, als beim Original. Der Titel ist super, ausdrucksstark und originell.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Isolte und Viola, die abwechselnd die Geschichte erzählen. Die Gegenwart wird hierbei großteils von Isolte wiedergegeben, während man die Vergangenheit aus Violas Sicht erlebt. Immer wieder tauschen sich die Rollen aber auch für wenige Seiten.
Früher, als die beiden noch Kinder waren, waren sie ein Herz und eine Seele. Sie verbrachten jeden Tag zusammen, teilten sich ein Zimmer und konnten sich ein Leben ohneeinander kaum vorstellen. Dennoch war Isolte schon immer die wildere der Beiden, während Viola sich stets eher ruhig im Hintergrund hielt.
Dieser kleine aber feine Unterschied hat sich im Laufe der Jahre immer mehr ausgeprägt. Währen Isolte bemüht ist, ihre Kontakte zu pflegen und etwas im Leben zu erreichen, würde Viola sich am liebsten unsichtbar machen und verschwinden. Ein Umstand, der sie in die Magersucht treibt.
Die Entwicklung der beiden Schwestern, die in so vollkommen unterschiedlichen Bahnen verläuft, ist wunderbar umgesetzt. Ihr früherer Charakter ist nach wie vor vorhanden, man hat nicht das Gefühl, vollkommen andere Menschen vor sich zu haben, als in den Passagen der Vergangenheit. Viel mehr wird die Entwicklung aufgrund der früheren Ereignisse hervorragend veranschaulicht und eindrucksvoll rübergebracht.
So lernt man die Zwillinge sehr gut kennen, versteht, warum sie so unterschiedlich reagiert haben und kann dennoch deutlich spüren, dass sie nach wie vor verbunden sind.
Die übrigen Charakteren überzeugen nicht ganz so sehr, sind teilweise etwas einseitig und klischeebeladen, oder schlichtweg zu blass. Doch auch unter ihnen gibt es einige wirklich sehr gut gelungene Figuren.


Die Erzählung springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, sodass man als Leser nur nach und nach zusammensetzen kann, was in der Kindheit der beiden Mädchen geschehen ist, dass ihr Leben so von grund auf bestimmt.
Mittlerweile leben beide in London, Isolte schreibt Artikel über Mode, während ihre Schwester Viola halb verhungert im Krankenhaus liegt. Doch was hat die beiden einst so stürmischen und wilden Mädchen so verändert?
Gemeinsam mit ihrer Mutter lebten sie früher als Selbstversorger im Wald von Suffolk, wo sie durch die Wälder streiften, mit den Zwillingsjungen Michael und John ihr Unwesen trieben und ihr Leben in der Natur genossen. Doch ein schlimmes Ereignis, das noch schlimmere Schicksalsschläge nach sich zog, hat alles verändert.
Die Geschichte wird so packend erzählt, dass man manchmal sogar vergisst, dass die große Enthüllung noch auf sich warten lässt. So gefangen ist man sowohl von der Gegenwart, als auch von dem außergewöhnlichen Leben im Wald der beiden Kinder. Demnach ist es ein wahrer Schock, als schließlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt, denn zu dem Zeitpunkt rechnet man nicht mehr damit, beziehungsweise ist der Meinung, schon alles zu wissen.
Doch trotz dieses wirklich positiven Eindrucks, weißt das Buch leider auch ein paar Schwächen auf. So empfand ich das Ende als nicht im Geringsten zufriedenstellend, es nicht nur sehr offen, es lässt einfach alles im Unklaren. Und auch der  erwartete Thriller-Touch hat mir gefehlt, bei diesem Buch stehen wirklich zu 100% die Emotionen im Vordergrund.
Somit ein wirklich drückendes Buch, das viel Schmerz und Leid ausstrahlt und damit berühren kann, als Unterhaltungslektüre aber eher nicht zu empfehlen.

Saskia Sarginsons Schreibstil ist sehr gefühlvoll und melodisch, transportiert Emotionen erstklassig und lässt ein sehr ergreifendes und bedrückendes Gefühl entstehen. Die Sichtwechsel sind hervorragend gelungen, beide Schwestern entwickeln ihre eigene Persönlichkeit und werden real.


3,7 Punkte








Saskia Sarginson
© Alex Sarginson
Genau wie ihre Protagonistinnen wuchs Saskia Sarginson mitten im Wald in Suffolk auf. Heute lebt sie in London und hat vier Kinder, darunter ein eineiiges Zwillingspaar. Bevor sie freiberufliche Autorin wurde, arbeitete sie als Lektorin, Journalistin, Ghostwriterin und Gutachterin für Drehbücher. Zertrennlich ist ihr erster Roman.