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Mittwoch, 19. Juli 2017

Frühlingsglück und Mandelküsse & Fliedersommer

Bildergebnis für frühlingsglück und mandelküsse emilia schilling


Die junge Wienerin Charlotte Paul, genannt Charlie, hat einen Traumjob als Patissière im Hotel Elisabethhof und mit ihrem Freund Eddie einen Traumgatten in spe. Die Zukunft scheint süß wie Zuckerguss. Doch dann erhält Charlie einen neuen Chef, und gleich beim ersten Zusammentreffen gerät sie mit Daniel Eppensteiner aneinander. Auch privat kriselt es, nachdem sich der fesche Eddie immer mehr als Albtraummann entpuppt. Als Charlie dann noch gegen den Willen ihres Chefs eine Petit-Fours-Messe in ihrem Hotel ausrichten will, ist das Chaos perfekt. Das Leben hält aber nicht nur böse Überraschungen für Charlie bereit. Manchmal kommt auch das Glück ganz unverhofft …

Sieht doch nach einer wundervollen, süßen Lektüre zum Zeitvertreib während der Prüfungsphase aus, oder? (Ja, während. Lernvermeidungsstrategie und so.)
Dafür ist das Buch auch optimal geeignet, bei den ganzen süßen Leckereien schüttet man schon automatisch Glückshormone aus. Wäre nur die Hauptfigur nicht so endlos nervig, verbohrt, hilflos, und von Mr. Eddie geblendet. Aber gut, würde die gute Charlie sich nicht anstellen wie ein dümmliches kleines Huhn, wäre die Story ja auch nach den ersten 100 Seiten gegessen. (Essen. Da ist es wieder.)

Der schreckliche (Ironie) neue Chef ist selbstverständlich der lang vermisste Traummann. Auch wenn den beiden natürlich tausend Steine in den Weg gelegt werden, damit irgendwie eine Story daraus wird. Dazu ist Eddie nicht nur einfach nicht der Richtige... Er ist schlichtweg ein Arschloch vom Feinsten. Traurig, wenn man Ende 20 nicht in der Lage ist, so einem Vollidioten den Laufpass zu geben.

Alles in allem: Schönes Buch, tolle Atmosphäre, yummi Futter, aber einfach nur eine schrecklich unnötig dramatische Lovestory.


Bildergebnis für fliedersommer cathy bramley


Holly Swifts größter Traum wird wahr, als ihr eine Stelle auf Wickham Hall angeboten wird. Gemeinsam mit Ben, der Hollys Herz auf Anhieb höherschlagen lässt, organisiert sie die schillernden Sommerfeste und Hochzeiten auf dem prächtigen Anwesen, das Zeit ihres Lebens ein besonderer Ort für sie war. Bereits als Kind ist sie durch die Gärten und Gänge des Schlosses gewandert. Doch welche Geheimnisse das Gemäuer wirklich für sie bereithält, muss Holly erst noch erfahren ...

Nachdem "Frühlingsglück und Mandelküsse" so eine endlose Enttäuschung war, habe ich parallel zu diesem wunderschönen Exemplar gegriffen. (Das war auch das Einzige, was mich motiviert hat, mich weiter mit Charlie rumzuschlagen.)

Hier haben wir es mit einer völlig anderen Hauptfigur zu tun. Holly ist zielstrebig, talentiert, ambitioniert, hat ein gesundes Selbstbewusstsein und ein großes Herz. Und das gepaart mit einem so natürlichen Touch, dass man sich einfach wünscht, sie selbst einmal kennenlernen zu dürfen.

Auch hier gibt es natürlich einen männlichen Gegenpart, denn wozu würde frau denn auch sonst nach diesen Büchern greifen. Im Gegensatz zu unserem Negativbeispiel (ich sollte aufhören, ständig darauf zurückzukommen) ist zwar auch hier von Anfang an klar, dass die beiden zusammenkommen... Aber der Weg dorthin ist einfach viel schöner, voller zart aufkeimender Gefühle, realistischen Umwegen und jeder Menge Herzblut.

Eingebettet ist die Romanze in eine unheimlich schöne und detailreiche Familiengeschichte (beziehungsweise gleich mehrere). Ich liebe es, wenn mehrere Handlungen ihren Platz in der Geschichte finden, besonders, wenn sie so schön zusammenfließen wie hier.

Hinzu kommt noch das malerische und schon fast magische Setting, das direkt zum Träumen einlädt. Hollys Liebe zu dem Anwesen ist auf jeder einzelnen Seite spürbar.

Einziges Manko hier: Die total verkitschte Schlussszene, die mir etwas zu viel des Guten war. Aber gut, mit einem schwachen Kapitel kann man durchaus leben.

Sonntag, 30. April 2017

Magonia - Maria D. Headley



Bildergebnis für magonia


Seit sie klein ist, leidet die 16-jährige Aza an einer seltsamen Lungenkrankheit, die ihr ein normales Leben unmöglich macht. Als sie eines Tages ein Schiff hoch in den Wolken erspäht, schiebt sie das Phänomen auf ihre akute Atemnot. Bis jemand auf dem Schiff ihren Namen ruft ...


Nur ein Mensch glaubt ihr diese Geschichte: ihr bester Freund Jason, der immer für sie da war, den sie vielleicht sogar liebt. Aber gerade als sie versucht, sich über die neuen tiefen Gefühle zu Jason klarzuwerden, überstürzen sich die Ereignisse. Aza meint zu ersticken – und findet sich plötzlich in Magonia wieder, dem Reich über den Wolken. Dort ist sie das erste Mal in ihrem Leben nicht mehr krank, sondern stark und magisch begabt. In dem heraufziehenden Kampf zwischen Magonia und Azas alter Heimat, der Erde, liegt das Schicksal aller mit einem Mal in Azas Händen …

Was. für. ein. sagenhaft. schönes. Cover.
Wenn das mal nicht Liebe auf den ersten Blick war...
Wie das aber leider des Öfteren so ist, verbirgt sich dahinter dann doch eher eine Mogelpackung. Wobei "Magonia" doch eher nur ein Mogelpäckchen ist. Es hat durchaus seinen Reiz, das kann man dem Buch nicht absprechen.
Aza ist als Protagonistin vor allem eines: anders. Kein schönes, starkes Mädchen. Und auch kein schwaches Mauerblümchen, das (oh wunder) plötzlich doch vom Aschenputtel zur Super-Prinzessin wird. Aza ist durch ihre Krankheit nicht nur körperlich in schlechter Verfassung. Sie ist blass, knochig, hat blaue, fast durchscheinende Haut... und dazu einen köstlichen Zynismus entwickelt. Ihre wundervoll bissige Art macht sie zu einer wirklich angenehmen Hauptperson, die nicht durch Perfektion glänzt.
Auch ihr bester (und einziger) Freund Jason ist weit weg vom Allerwelts-Durchschnitt. Der kleine Nerd schleicht sich mit seinem schier unendlichen Wissen und seinem einfach nur hinreißenden Tick, Pi bis auf die schlag-mich-todeste Zahl aufzuzählen, wenn er nervös ist, in das Leserherz.
Ansonsten sind die Figuren leider eher nur grob ausgearbeitet oder sehr einseitig, obwohl so unendlich viel Potenzial vorhanden ist. Gerade bei den Magoniern hätte ich mir neben dem schlichtweg magischen Auftreten auch noch etwas herausragender Charaktere gewünscht. So müssen wir uns leider mit... nein gut, ich gehe nicht weiter ins Detail. Aber die Magonier sind einfach nur unschlagbar! Was bestimmt nicht zuletzt an dem wundervollen Schreibstil liegt, der ganz automatisch die fantastische Szenerie ins Kopfkino zaubert.
Die Story selbst umfasst leider nicht sonderlich viel mehr Handlung, als schon im Klappentext angedeutet wurde und bleibt sehr diffus und ohne klare Richtung. Auch hier hätte ich mir mehr erhofft.
Aber auch so ist "Magonia" ein lesenswertes Buch, das einige neue Ideen bietet. Zum Weiterlesen der Reihe hat es mich allerdings nicht animiert.


Samstag, 7. Januar 2017

[Rezension] Vom ersten Tag an und für immer

https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/HepburnLVom_ersten_Tag_an_161842.jpg

Eine bittersüße Geschichte über Liebe, Loslassen und die Kunst sich selbst zu vertrauen.


Nell mag ihr Leben. Wie könnte es auch anders sein, wo sie seit zehn Jahren nichts daran verändert hat. Sie führt den Blumenladen, der schon ihrer Mutter gehörte, und hat seit dem ersten Tag ihrer Studienzeit dieselben Freunde - Alex, Maria und Jason. Ihre Angestellte Olive sagt, sie ist in der Vergangenheit hängen geblieben, doch Nell meint, sie ist glücklich. So lange, bis Alex verkündet, Maria heiraten zu wollen – und Nells Herz zerbricht. Sie war doch schon so lange in ihn verliebt ...

Unglaublich, wie sehr einen fiktive Personen doch aufregen können...
Nell bemerkt ganz plötzlich, dass sie in ihren besten Freund verliebt ist. Total überraschend. Dass es so überraschend war vergisst die Gute aber nach zwei Seiten wieder und von da an geht die ewige Leier "Ich lieeeebe ihn doch so sehr mimimi" los. Aber das ist noch bei weitem nicht der anstrengendste Part an ihr.
Um sich von Alex abzulenken datet Nell mutig andere Männer, die sie aber wegen jeder noch so kleinen Macke sofort abschreibt. Nicht nur das, sie rastet regelrecht aus, reagiert total kindisch und erwartet perfekte Personen, obwohl sie selbst weit davon entfernt ist. Typischer Fall von nicht-mit-sich-selbst-klarkommen-und-deswegen-anderen-das-Leben-vermiesen.
Ausgenommen natürlich Olive, die sich tatsächlich Aktionen leistet, bei denen jeder normale Mensch versucht wäre, gewalttätig zu werden. Oder sie zumindest zu feuern. Aber nein, hier ist die gute Nell dann wieder so ein verhuschtes Mäuschen, dass sie sich von Dummchen Olive wie der letzte Depp behandeln lässt.
Gespickt wird diese aggressionsauslösende Kombination mit einem Liebesviereck, dass sich ab der ersten Seite ankündigt, und dessen Zusammenhänge auf den ersten Blick ersichtlich sind. Von Spannung also keine Spur. Nur jede Menge nervige Figuren an jeder Ecke und hier und da ein bisschen Dramatik mit Sommernachtstraum-Zitaten garniert. Gibt definitiv besseres in dieser Richtung.

Neugierig geworden? Bei Random House findet ihr alle weiteren Infos zu dem Buch.

Freitag, 23. Dezember 2016

[Rezension] Weihnachtspunsch und Rentierpulli - Debbie Johnson





https://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Johnson_DWeihnachtspunschRentierpulli_173833.jpg
Für Maggie war Weihnachten schon immer ein Familienereignis mit quirliger Herzlichkeit und Mistelzweigen. Aber dieses Jahr ist Maggie allein über die Feiertage mit nichts als einer Flasche Baileys und einem Tiefkühltruthahn. Bis Marco Cavelli auf den verschneiten Straßen Oxfords buchstäblich in ihr Leben kracht. Ein Mann mit traumhaft braunen Augen – verlockender als frisches Weihnachtsgebäck. Dabei war es für Maggie bislang ein ungeschriebenes Gesetz, niemals einen Mann im Rentierpulli zu küssen ...

An einem glitzernden Weihnachtsmorgen einfach mal romantisch über den Traummann schlechthin stolpern und sich auf den ersten Blick verlieben? Über den Traummann im Rentierpulli, der Bridget-Jones-Gefühle wachruft und jede Frau zum Schmelzen bringt? Na, ist das nicht schön? Definitiv und bestimmt hätte das Hauptfigur Maggie auch ganz gut gefallen. Stattdessen kracht sie jedoch mit voller Wucht in das Fahrrad des besagten Mannes und findet sich mit geprelltem Steißbein im Krankenhaus wieder.
Als wäre ihr schmerzender Hintern nicht schon Strafe genug, wird ihr Rentierpulli-Macho Marco von dessen Schwägerin als Pflegefall aufgebrummt und nimmt für die kommenden Wochen mit seinem Gipsbein ihr Wohnzimmer in Beschlag.
Zugegeben, das ist leicht, ganz leicht, weit hergeholt. Attraktive Männer ans Bett fesseln und nie wieder gehen lassen zu wollen kann ich ja noch nachvollziehen. Aber einen wildfremden, kurzzeit-behinderten Kerl bei sich aufnehmen? Attraktiv hin oder her, aber das würde ich mir wohl nicht antun.
Wobei... So ganz wildfremd ist Marco Maggie gar nicht, denn sie hat den heißen Papa vom Park schon vorher begierig und ausgiebig bestaunt. Doch davon weiß Marco nichts...
Unabhängig von allen noch so unrealistischen Aspekten gibt es aber einen Punkt, der ausschlaggebend dafür ist, dass ich mit diesem Buch so meine Schwierigkeiten hatte. Maggie und Marco beschnüffeln sich Kapitel für Kapitel, die Sabberproduktion läuft auf Hochtouren, aber da Maggie sehr zurückhaltend reagiert (aus gutem Grund), werden wir und Marco ganz schön auf die Folter gespannt.
Und dann?! UND DANN?! Buuumms,  erfahren wir, dass sich die beiden vier geschlagene Tage durch diverse Bettlaken gerollt sind und sich ihrer Körperteile erfreut haben und ganz plötzlich sind wir nicht einmal mehr in Oxford. Hallo? Was ist mit den armen Lesern? Haben wir nicht auch Bedürfnisse? Mimimi?
Doch selbst wenn wir nicht nach wenigstens ein wenig Erotik lechzen würden, wäre es doch ganz schön, wenn über diese essenziellen vier Tage nicht einfach so hinweggegangen würde. Dadurch entsteht fast der Eindruck, als hätte die Autorin keine Lust gehabt, ihr Buch noch um ein paar Kapitel zu erweitern.
Der Eindruck setzt sich leider fort, denn der Rest der Geschichte wird in einem wahnsinnigen Tempo abgearbeitet und hinter sich gebracht, von romantischer Stimmung keine Spur.

Neugierig geworden? Bei Random House findet ihr alle weiteren Infos zu dem Buch.

Montag, 10. August 2015

[Rezension] Liebe zum Nachtisch

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Seifried_VLiebe_zum_Nachtisch_160707.jpgTitel: Liebe zum Nachtisch
Originaltitel: /
Autor/in:
Victoria Seifried
Reihe: /
Preis: 8,99€
Seiten: 400
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 10. August 2015
ISBN-13:  978-3453418226
Leseprobe
Ist es in der Liebe wie beim Essen – kommt das Beste tatsächlich zum Schluss?

Helena kann es nur hoffen, denn die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund Rainer ist in etwa so spannend wie Staubsaugerbeutel zu kaufen. Auch ihr Lebensberater, ihre Schildkröte Pirmin, kann sie nicht dazu bewegen, sich von Rainer zu trennen und ihr Leben in Schwung zu bringen. Doch das ändert sich schlagartig, als sie ihrem Traummann Jeffrey begegnet. Die beiden verbringen eine aufregende Nacht, und Helena ist im siebten Himmel. Doch am nächsten Morgen muss Jeff nach New York fliegen. Für Nesthocker Helena eine unvorstellbare Reise, aber Jeff niemals wieder sehen? No way! Sie packt ihre Koffer und reist ihm nach. Aber wie soll sie ihn nur anhand seines Vornamens aufspüren?




Das ist ein Erstlingsroman? Kaum zu glauben. Diese Frau kann schreiben! Und wie! Schon nach den ersten paar Zeilen bin ich aus dem Zitate abschreiben und an alle möglichen Leute verschicken gar nicht mehr rausgekommen. Wie genial ist das bitte? Der Humor ist sagenhaft gut. Und nicht zuletzt auch ganz schön gruselig. Warum? Ich hatte das leichte Gefühl, hier als Vorlage missbraucht worden zu sein. Stalkt hier jemand meinen Twitter Account? Sind hier versteckte Kameras?
Ob Harry Potter, die Backstreet Boys, der Jägermeister, die Schildkröte, Donuts und Käsekuchen... Ich hatte das Gefühl, mein eigenes Tagebuch zu lesen. Ob das der ausschlaggebende Grund für meine Begeisterung ist? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß eines: Dieses Buch gebe ich für kein Geld der Welt wieder her. Ich hoffe inständig, dass bald noch viel, viel mehr von dieser Autorin erscheinen wird, denn ich kann davon definitiv nicht genug bekommen!
Nun aber zum Wichtigen, nachdem ich meine Lobeshymne langsam aber sicher fertig geträllert habe. Der Inhalt selbst ;)
Langzeitstudentin Helena ist ziemlich unzufrieden mit ihrem Leben. Ihr Studium ist nicht wirklich ihr Ding, ihre Beziehung verdient es eigentlich nicht, als solche betitelt zu werden und auch sonst hat sie das Gefühl, irgendwann den Anschluss zu ihrem Leben verloren zu haben und nur so vor sich hinzudümpeln.
Auch Orakelschildkröte Pirmin gibt ihr hierbei Recht und versucht seinem Frauchen definitiv klarzumachen, dass sie Rainer in den Wind schießen und langsam ihren Popo vom Sofa hochbekommen sollte. Vertrauensvoll wie Helena ist, hört sie auf ihren gepanzerten Begleiter und macht sich nach einer unglaublich schönen Nacht mit Jeffrey auf den Weg nach New York, um ihn wiederzusehen. Sie! Helena! Die das Land noch nie verlassen hat! Und das mit nur einem Vornamen im Gepäck. Ob diese Suche Erfolg haben kann?
Nach anfänglichem Muffensausen hat Helena die Lage allerdings im Griff und ist stolz auf ihre mutige Tat. Wer hätte das wohl erwartet? Doch leider gestaltet die Suche nach ihrem Traummann sich schwerer als gedacht, doch wer weiß, vielleicht führt das Schicksal die beiden ja doch zusammen. Oder der weise Pirmin.
Seichte rosarote Chick-Lit? HAHA, nein! Glaubt mir ruhig, wenn ich euch sage, dass hier wesentlich weniger so läuft, wie man sich das vorstellt. Das Buch ist für mehr Überraschungen gut als so mancher "anspruchsvoller" Roman und dabei hat man noch jede Menge Spaß, was nicht zuletzt an den genialen Charakteren liegt, die trotz ihrer zum Teil so schrulligen Art so dermaßen lebendig wirken, dass man das Gefühl hat, sie werden gleich neben einem sitzen, wenn man das Buch zuschlägt.
Ein mehr als gelungener Erstling, der mich dermaßen begeistert hat, dass ich das Buch am liebsten jedem andrehen würde, der auch nur im Entferntesten gerne liest.


Victoria Seifried
© privat
Victoria-Louise Seifried wurde 1987 in Berlin geboren. Seit 2007 schreibt sie Gedichte und Kurzgeschichten, die sie auf Poetry Slams, Stand-up-Comedy-Bühnen und bei unterschiedlichen Kulturprojekten vorträgt. Sie hat Psychologie studiert und Psychologische Diagnostik an der Universität Potsdam unterrichtet. Am Street College, einem sozialen Projekt des Gangway e.V. in Berlin, ist sie außerdem als Lehrerin tätig und unterstützt Jugendliche beim Erlangen ihres Hauptschulabschlusses. Liebe zum Nachtisch ist ihr erster Roman.

Samstag, 13. Juni 2015

[Rezension] Die Königin der Schatten

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Johansen_EDie_Koenigin_der_Schatten_160131.jpgTitel: Die Königin der Schatten
Originaltitel: The Queen of Tearling
Autor/in:
Erika Johansen
Reihe: #1
Preis: 14,99€
Seiten: 544
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2015
ISBN-13: 978-3453315860
Der Thron wartet auf seine Königin – wenn sie lange genug lebt, um ihn zu besteigen ...

Als Kelsea Glynn an ihrem neunzehnten Geburtstag den Thron des magischen Königreiches Tearling besteigt, tritt sie ein schweres Erbe an: Die mächtige Herrscherin des Nachbarlandes Mortmesne bedroht Tearling, das eigene Volk begegnet ihr mit Misstrauen, und an ihrem Hof findet sie einen Sumpf von Machtgier, Lügen und Intrigen vor. Kelsea weiß, sie darf sich keinen einzigen Fehler erlauben, wenn sie überleben will. Sie wird all ihren Mut, ihre Klugheit und Stärke brauchen, um eine wahre Königin zu werden – die legendäre Königin von Tearling . . .





So sehr es mir auch widerstrebt, mich mal wieder gegen die weit verbreiteten Begeisterungsrufe zu stemmen, muss ich trotzdem sagen, dass ich bei diesem Buch manchmal dachte: Wie kommt man bitte auf so einen Rotz. .(Verzeihung *hust*)
Um den Rotz etwas appetitlicher zu definieren: Ein Buch mit wunderbarem Mittelalterfeeling. Alles tadellos. Schlösser, Königreiche, Herrscher, Kronen, Märkte, Dörfer... Alles was das Herz begehrt. ABER. Und jetzt kommts. Dieses Buch spielt in der Zukunft? Also beim besten Willen, aber was soll DAS denn? Bei der Überfahrt zum neuen Kontinent ist natürlich rein zufällig das Schiff mit all der fortschrittlichen Technologie und der modernen Medizin gesunken. Und schwups, schon landen wir im Lebensstil ein paar Jahrhunderte in der Vergangenheit. Oh, und ein bisschen Magie wird dann auch noch reingemixt. Vollkommen unnötig, schwachsinnig und passt absolut nicht zum Rest. Würde dieser Aspekt fehlen? Super Buch! So? Äh, nein eher nicht.
Wenn ich schon mit dem Gemecker anfange: Protagonistin Kelsea. Und wieder direkt zum Anfang, nämlich zu dem Namen. Wir finden hier haufenweise super Namen, die sich perfekt in das Setting einfügen. Carlin, Mace, Mhurn... Und dazwischen dann Kelsea? Das kann nicht euer Ernst sein. Der Name kann sich direkt zu der Zukunftsversion in die Schublade der Bauchkrampfauslöser gesellen.
Nachdem ich meiner Abneigung dem Namen gegenüber genug Ausdruck verliehen habe, kommen wir doch endlich zu Kelsea selbst. Eine harte Nuss! Denn einerseits ist Kelsea eine wirklich toughe junge Frau, die ihre Rolle wirklich glanzvoll meistert und allerhand Sympathiepunkte sammelt, doch so ganz stimmig wirkt eben auch sie nicht. Teilweise schwingt ihr Mut in Trotz um, trotz ihrer Intelligenz wird sie wenn es um Männer geht zu einem sabbernden naiven Teenie. Auch nicht so das Gelbe vom Ei, aber annehmbar. Und der Aspekt ihres Übergewichts soll wohl auch eher dadurch Pluspunkte einheimsen, dass mal eine Protagonistin nicht aussieht, wie aus dem Ei gepellt. Aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass das Mädchen ihr Leben lang auf ihre Zukunft als Königin gedrillt wird und dann im Hinblick auf ihre Sicherheit zugelassen wird, dass sie dick wird, was ja unweigerlich zur Folge hat, dass sie langsam und unbeweglich wird und keine Chance hat, sich zu verteidigen. Noch dazu kommt das bei einem hungernden Volk bestimmt auch nicht sonderlich gut an, wenn man so zur Schau trägt, dass man selbst stets mehr als genug zu Essen hatte.
Nehmen wir zu diesem Punkt noch ihren magischen Funkelstein hinzu, der sie warnt, wenn etwas passiert, könnte man meinen, man ist in "Der Feuerstein" von Rae Carson gelandet (was übrigens wesentlich lesenswerter ist).
Frei nach dem Motto, man soll aufhören wenns am schönsten ist, beenden wir das hier doch mit den positiven Seiten des Buches. Das Setting und die Atmosphäre sind wundervoll und rufen das heißgeliebte Tintenherz-Feeling hervor (ignorieren wir den Part mit der Zukunft. Wir tun jetzt einfach so als wären wir wirklich in einer anderen Welt mit schönem Mittelalter-Touch).
Ebenso super gefallen mir die Figuren (mit Ausnahme der Hauptperson, was wirklich eine Schande ist). Hier wurde an Facettenreichtum wirklich nicht gespart! Absolut super!
Und das Sahnehäubchen obendrauf: Die genial gesponnenen Intrigen, die wie perfekt aufeinander abgestimmte Zahnräder ineinandergreifen und jede Menge Überraschungen bereithalten.
Kurz gesagt: Ein Mix aus besch*biep*eiden und super. Was soll man damit nur anfangen? Entweder, man ignoriert die Mankos so gut es geht und kotzt sich nebenbei ein bisschen darüber aus (so wie ich), damit man den Rest genießen kann, oder man lässt besser die Finger davon. Es sei denn natürlich man ist der Idee nicht so abgeneigt wie ich und findet Gefallen daran.


3,3 Punkte


Erika Johansen wuchs in der San Francisco Bay Area auf, wo sie heute noch lebt. Sie besuchte das Swarthmore College und wurde Anwältin. Zusätzlich abslovierte sie den renommierten Iowa Writer's Workshop. Eine Rede Barack Obamas über die Freiheit inspirierte sie zu ihrem Debütroman Die Königin der Schatten.

Dienstag, 5. Mai 2015

[Rezension] Freundinnensommer

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Donohue_MFreundinnensommer_157590.jpgTitel: Freundinnensommer
Originaltitel: All the Summer Girls
Autor/in:
Meg Donohue
Reihe: /
Preis: 8,99€
Seiten: 320
Verlag: Heyne
Erscheinungsdatum: 9. März 2015
ISBN-13: 978-3453412972
Leseprobe
Drei Freundinnen und eine verhängnisvolle Sommernacht vor vielen Jahren

Kate, Vanessa und Dani sind beste Freundinnen. Als die perfektionistische Kate kurz vor ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen wird, beschließen die drei, in das Strandhaus zurückzukehren, in dem sie früher viele Sommer gemeinsam verbracht haben. Unter strahlend blauem Himmel wird schnell deutlich, dass auch Vollzeitmom Vanessa und die rastlose Dani alles andere als glücklich sind. Doch vor allem wird den drei Freundinnen klar, dass sie sich endlich den Ereignissen einer verhängnisvollen Sommernacht vor acht Jahren stellen müssen, die ihr Leben für immer veränderte.



 
Was soll man nur zu "Freundinnensommer" sagen... Erwartungsvoll und mit jeder Menge Verschwörungstheorien und Vermutungen, was in der geheimnisvollen Sommernacht wohl zwischen den drei Mädchen passiert ist, stürzt man sich direkt ins erste Kapitel. Doch schnell wird klar, dass man nicht so ganz das bekommt, was man erwartet hat.
Bis die drei Freundinnen, oder eher ehemaligen Freundinnen, überhaupt erst mal zusammentreffen vergeht einige Zeit. Doch auch dann bleibt die knisternde Spannung und die Aufregung, was hinter der Sache steckt, vollkommen unscheinbar.
Dass es etwas mit dem Tod von Kates Bruder zu tun hat ist sofort klar, doch alles, um das es hier geht, ist eine recht nüchterne Geschichte darüber, warum jede der Freundinnen sich für das Unglück verantwortlich fühlt, darüber, wie sie alles in sich hineinfressen, sich gegenseitig Vorwürfe machen und wie unzufrieden sie mit ihren Leben sind.
Das diese Unzufriedenheit großteils nicht einmal etwas mit dem Geschehen zu tun hat, macht das Ganze noch zäher. Das Buch liest sich wie ein Bericht über drei Frauen, die sich über ihr ätzendes Leben auskotzen und nicht wissen, wie sie es auf die Reihe bekommen sollen. Sucht man danach ist "Freundinnensommer" wohl nicht schlecht, erwartet man jedoch eine spannende und tragische Geschichte voller herzzerreißender Momente, ist man hier so falsch wie man nur sein kann.
Mich hat die Geschichte leider schnell gelangweilt und überhaupt nicht gepackt. Dass ich mich mit keiner der drei Frauen identifizieren konnte, hat das Ganze zudem noch mehr runtergezogen.


2,6 Punkte

Meg Donohue wuchs in Philadelphia auf. Sie studierte kreatives Schreiben und Vergleichende Literaturwissenschaft und lebt nun mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und einem Hund in San Francisco. "Freundinnensommer" ist ihr zweiter Roman.