Samstag, 11. Mai 2013

[Rezension] Im Land der Kaffeeblüten

http://cms.thienemann.de/daten/cms/cover/gross/9783522201605.jpgTitel: Im Land der Kaffeeblüten
Originaltitel: /
Autor/in: Laura Antoni
Reihe: /
Preis: 16,95€ 
Seiten: 400
Verlag: Thienemann
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2012
ISBN 3522201604
Leseprobe
Wertung: 3,2/5
Guatemala, 1902. Bremen, 2011: Vier junge Frauen verbindet ein Schicksal, auch wenn sie mehr als ein Jahrhundert trennt. Eine Projektarbeit zum Thema Kaffeeanbau in Guatemala lässt Isabell und Julia überraschend tief in die Vergangenheit ihrer eigenen Familien dringen. Sie kommen ihren Ururgroßmüttern auf die Spur, die ungewöhnliche Wege gingen, selbst- und freiheitsbewusst: Margarete, die den jungen Maya Juan liebte, und Elise, die ihr Herz dem mittellosen Georg schenkte. Und sie entdecken ein streng gehütetes Familiengeheimnis in der Kaffeedynastie, die Isabell einmal erben wird.

Der Einstieg in das Buch fiel mir relativ schwer, später kann man jedoch voll und ganz in die Geschichte abtauchen. Was der sehr schönen Handlung leider etwas schadet, sind die großteils recht unsympathischen und flachen Charaktere.
Mir persönlich hätten die Abschnitte aus der Vergangenheit mehr als gereicht, das große Familiengeheimnis finde ich leider ziemlich unspektakulär.
Das idyllische und warme Cover gefällt mir sehr gut und macht große Lust darauf, in ferne Länder abzutauchen, auch wenn es nur zwischen den Buchseiten ist.
Auch die Innengestaltung ist sehr ansprechend. Jedes Kapitel ist mit einem Vogel oder einer Blume verziert.

Leider finde ich die Charaktere großteils entweder unsympathisch oder zu blass.
Da wäre zum einen Isabell, die einige Zeit mit ihren Eltern in Guatemala gelebt hat und dann von ihren Eltern nach Bremen geschickt wird. Dort trifft sie in ihrer neuen Klasse auf Julia, deren Eltern ein Kaffeeunternehmen besitzen, das sie später übernehmen soll.
Diese beiden Mädchen werden zusammengesteckt, um gemeinsam ein Projekt über den Kaffeeanbau um 1900 zu erarbeiten. Dabei zicken sie sich ständig an, wobei man sich kaum entscheiden kann, wer von beiden schlimmer ist.
Aus unnachvollziehbaren Gründen liegen sie sich ständig in den Haaren und hacken aufeinander herum, nur um eine Sekunde später wieder die besten Freundinnen zu sein.
Ansonsten bleiben beide sehr blass, wodurch sie schlichtweg den Zicken-Stempel aufgedrückt bekommen.
Bei den Charakteren in der Vergangenheit verhält es sich ganz anders.
Julias Ururgroßmutter Margarete ist eine sehr sympathische und willenstarke junge Frau, die für ihre Liebe zu dem Maya-Jungen Juan alles tun würde und dennoch stets das Wohl ihrer Familie im Hinterkopf hat.
Die Liebesgeschichte ist sehr ergreifend und rührend und war für mich das Highlight des Buches.
Isabells Ururgroßmutter Elise hingegen war einfach nur nervtötend. Sie ist wegen jeder noch so winzigen Kleinigkeit sofort verängstigt und gerät in Panik und trotzdem wird sie von ihrem Georg als mutig beschrieben? Elise vertritt sehr gute Ansichten, denen ich nur zustimmen kann, trotzdem bleibt ihre weinerliche Art im Vordergrund und zehrt an den Nerven des Lesers.

Kurz nachdem Isabell und Julia begonnen haben, gemeinsam an dem Kaffee-Projekt zu arbeiten, machen sie eine unglaubliche Entdeckung. Ihre beiden Ururgroßmütter haben sich gekannt und waren sogar befreundet!
An dieser Stelle musste ich auch zum ersten Mal stutzen. Diese Entdeckung müsste doch mehr Aufregung hervorrufen als nur ein " Hey cool, die kannten sich haha"?? Besonders wenn man bedenkt, dass Julia und Isabell auch aus vollkommen verschiedenen Gegenden stammen.
Von Isabells Oma bekommen die Mädchen alte Tagebücher von Elise, die sie fleißig durcharbeiten.
Ab hier wird die Story spannend und fesselnd und kann den Leser endlich in den Bann ziehen.
Was damals alles geschehen ist, ist unmöglich in wenige Worte zu fassen.
Margaretes Liebe zu Juan ist so unheimlich schön beschrieben, so zart und doch so tragisch, denn diese Liebe darf nicht sein.
Doch auch Elises Reise mit ihren Forschereltern durch den Dschungel ist sehr interessant und bietet so einige Überraschungen.
Was mir persönlich jedoch unverständlich bleibt, ist, warum Isabell und Julia diese alte Familiengeschichte für ihr Projekt durchforschen. Mit dem Projekt hat das Ganze doch längst nichts mehr zu tun. Was wäre so schlimm daran, einfach zu sagen, dass die beiden neugierig waren und darüber ihr Projekt vergessen haben?
Was mir ebenfalls nicht gefallen hat, war das große Drama um das Familiengeheimnis, das zwar sehr interessant, aber das Theater, das Julia darum veranstaltet definitiv nicht wert ist.
Das Ende der Geschichte in der Vergangenheit hingegen ist sehr schön und treibt bei dem ein oder anderen Leser bestimmt einige Tränen in die Augen.
Das große Manko des Buches ist und bleibt für mich die Story in der Gegenwart, ansonsten ist das Buch nämlich wirklich perfekt.

Den Schreibstil habe ich als sehr angenehm empfunden und durch die bildhaften Beschreibungen wird Guatemala im Kopf des Lesers lebendig.
Die Schwäche liegt bei den Charakteren, die für meinen Geschmack etwas zu blass bleiben und nicht immer authentisch wirken.
Große Gefühle findet man hingegen bei der Liebesgeschichte von Margarete und Juan, die mich sehr berührt hat.

3,2 Punkte


http://cms.thienemann.de/daten/cms/autor/Antoni.Laura.jpgLaura Antoni (Jahrgang 1964) ist Soziologin und interessiert sich für Auswandererschicksale, seitdem ihr Großvater von seinen Plänen berichtete, in den 1950er Jahren nach Mittelamerika oder Australien auszuwandern. Die Familie blieb in Deutschland, aber das Interesse an fernen Ländern hat sie Autorin nie mehr losgelassen.
Für ihre Doktorarbeit lebte Laura Antoni eine längere Zeit in den USA, von wo aus sie Reisen in die angrenzenden Länder unternahm.
Wenn sie nicht schreibt, spielt sie Doppelkopf (ohne Neuner), joggt leidenschaftlich gern und liest viel.
Laura Antoni lebt in Kassel und hält die Frauenquote in einem Männerhaushalt (ein Ehemann und fünf Macho-Kater) aufrecht.


Vielen Dank an Blogg dein Buch!

1 Kommentar:

  1. Na, da haben wir ja fast die gleichen Kritikpunkte. Lg Cora

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