Mittwoch, 11. Dezember 2013

[Rezension] Geisterblumen

http://www.fischerverlage.de/media/fs/15/u1_978-3-8414-2114-2.jpgTitel: Geisterblumen
Originaltitel: Ghost Flower
Autor/in: Michele Jaffe
Reihe: /
Preis: 16,99€
Seiten: 496
Verlag: Fischer FJB
Erscheinungdatum: 26. September 2013
ISBN-13: 978-3841421142
Leseprobe
Sie wollte leben, wie im Märchen.
Doch plötzlich ist sie mitten in der Hölle.

Du bist ausgerissen. Bist weit weg von allen, die du kanntest. Und endlich fühlst du dich sicher. Sicher vor deiner Vergangenheit.
Doch dann bekommst du ein verlockendes Angebot. Du sollst eine neue Identität annehmen. Sollst eine Person sein, der du zum Verwechseln ähnlich siehst. Und erhältst dafür ein Leben im Luxus.

Eve kann diesem Angebot nicht widerstehen. Zu lange schon war sie allein. Sie geht auf in ihrer neuen Rolle als Aurora – bis seltsame Dinge geschehen.
Jemand bricht in ihr Zimmer ein, ruft auf ihrem Handy an und gibt sich als Liza aus. Doch Liza hat vor drei Jahren Selbstmord begangen – in derselben Nacht, in der Aurora verschwunden ist …



Merkwürdig. Das trifft wohl am Besten das Gefühl, das das Buch hinterlässt.
Ein schleppender Anfang, ein nervenaufreibender Schlusspart... gefolgt von einem unlogischen und sehr plötzlichen Ende. Mein Eindruck des Buches schwankte ständig zwischen langweilig, grandios, extrem gruselig und vollkommen sinnlos.
Ein Buch, das einem die Bewertung nicht gerade leicht macht, und einen hin und hergerissen zurücklässt.
Selten, aber es gibt sie: Die deutschen Cover, die bei Weitem das Original übertreffen. "Geisterblumen" gehört definitiv dazu und überzeugt durch ein mysteriöses, aber dennoch auch romantisches Cover.
Die Charaktere sind nicht unbedingt blass, aber sehr, sehr undurchschaubar. Klar, es handelt sich hier um einen Thriller, aber eine gewisse klare Linie sollte schon erkennbar sein. Hier allerdings machen die Figuren die krassesten Wandlungen durch, das liebe Mädchen ist die Mörderin, die fiese Bi** eine sensible beste Freundin, der Traumtyp ein Psycho und der potenzielle Feind der Herzensmann.
Leider weiß man so gar nicht woran man ist, und das liegt nicht nur an den nötigen Thriller-Elementen. Manches passt einfach nicht zusammen, auch wenn dadurch Spannung aufgebaut werden soll, es passt einfach nicht ins Bild.
Aus diesem Grund ist es auch alles andere als einfach, die Figuren zu charakterisieren, da man selbst bei der Protagonistin Eve absolut keine Ahnung hat, wen man eigentlich vor sich hat. Womit ich auf das Ende anspiele, das meiner Meinung nach das komplette Buch ruiniert, nachdem es doch endlich im letzten Drittel rasant an Schwung gewinnt.
 
Auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit hat Eve schon so einige Stationen hinter sich gelassen. Als sie endlich das Gefühl hat, ihr entkommen zu sein, wird sie während der Arbeit von einem jungen Geschwisterpaar angesprochen, die ihr ein mehr als vielversprechendes Jobangebot unterbreiten.
Sie soll sich als deren Cousine Aurora ausgeben, die vor einiger Zeit spurlos verschwunden ist. Die Summe die sie ihr anbieten ist enorm, doch was steckt hinter diesem Plan? Was bezwecken sie damit? Und wieso sucht niemand nach Aurora?
Trotz ihrer Zweifel lässt Eve sich auf das Angebot ein und ihr wird bald klar, dass sie sich auf ein mehr als gefährliches Spiel eingelassen hat. Rüttelnde Türen, Drohungen, und übernatürliche Erscheinungen von Auroras verstorbener Freundin Liza treiben Eve in den Wahnsinn. Doch es gibt keinen Weg, um aus ihrer Situation zu entkommen....
Absolut vielversprechender Plot, der einen geradezu dazu zwingt, das Buch zu lesen.
Unerwartet schleppt sich die Geschichte dann doch recht lange vor sich hin. Eve bekommt Instruktionen über Aurora, wie sie sich verhalten hat, was sie mochte und nicht mochte, wen sie kannte und wie sie lebte. Eve lernt brav die Lektionen, die ihr von den Geschwistern gegeben werden, bis sie schließlich tatsächlich in ihre Rolle als Aurora schlüpft.
Doch auch dann lässt die Spannung noch auf sich warten. Zwar geschehen viele unerklärliche Dinge und es gibt die ein oder andere gruselige Szene, aber richtig gruselig wird es erst im letzten Drittel. Dann geht alles Schlag auf Schlag, und es wird so unheimlich, dass man das Buch besser nicht nachts, einsam und allein, lesen sollte. Verfolgungswahn vorprogrammiert!
Doch dann kommt leider der totale Absturz. Die Geschichte nimmt so eine unglaublich unlogische Wendung, die praktisch alles, wirklich alles von Anfang an, auf den Kopf wirft. Es passt einfach nicht. Es gibt keinen Sinn. Und die ganze Geschichte ist dahin.
Ein weiterer Kritikpunkt waren für mich Eves Rückschlüsse, die sie aus den kleinsten Hinweisen gezogen hat und auf die man als Leser nie im Leben kommen würde. Oft wird nicht einmal verraten, was Eve denn so Ungeheuerliches entdeckt hat, und der Leser fragt sich nur, warum zur Hölle sie sich eben verhält, wie sie es tut.
Zwar schafft der super gelungene Abschnitt es nicht, das Negative aufzuwiegen, aber dennoch macht es Spaß das Buch zu lesen, auch wenn man eher unzufrieden zurückgelassen wird.

Der Schreibstil gut, schlicht, dennoch fesselnd und flüssig. Negativ sind die vielen Unklarheiten, die Logiklücken und die fehlenden Details.
Positiv hingegen ist der unglaubliche Nervenkitzel, den die Autorin durchaus hervorrufen kann, wenn sie es auch etwas spät gezeigt hat.

3,1 Punkte


Michele Jaffe
(c) Jeff Carillo
Michele Jaffe ist in Los Angeles, Kalifornien, aufgewachsen. Sie hat in Harvard studiert und im Fach Vergleichende Literaturwissenschaft promoviert. Danach wollte sie eigentlich FBI-Agentin werden, ist dann aber doch beim Schreiben gelandet. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Las Vegas.

Kommentare:

  1. Das klingt ja ganz gut :) Werde es mal auf meine Wunschliste schreiben :)

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  2. Hmm, das subt bei mir noch, aber nun weiß ich gerade nicht so recht, was ich davon halten soll. Wahrscheinlich muss ich es doch selbst mal lesen.

    LG Michaela

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