Samstag, 27. Oktober 2012

[Rezension] Die Prophezeiung der Seraphim

https://www.morebooks.de/assets/product_images/9783453267/big/7448970/die-prophezeiung-der-seraphim.jpg?locale=gbTitel: Die Prophezeiung der Seraphim
Originaltitel: /
Autor/in: Mascha Vassena
Reihe: #1
Preis: 14,99€ 
Seiten: 416
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungdatum: 1. Oktober 2012
ISBN 3453267494
Wertung: 3,7/5
Leseprobe 
Ihr fünfzehnter Geburtstag sollte eigentlich der schönste Tag ihres Lebens werden, doch dann steht Julie Lagardes Welt plötzlich kopf. Das temperamentvolle Mädchen erfährt, dass sie von Pflegeeltern großgezogen wurde, dass sie einen Zwillingsbruder namens Ruben hat und dass ihr leiblicher Vater kein gewöhnlicher Mensch ist, sondern ein gefallener Engel, der noch dazu ihre Mutter gefangen hält. Und Cal, der als Berater des Königs über großen Einfluss verfügt, setzt alles daran, Julie und Ruben in seine Gewalt zu bringen. Nur mit ihrer Hilfe kann er laut einer Prophezeiung zu wahrer Macht über die Menschen gelangen. Ebenso sind die Zwillinge die Einzigen, die seinen Untergang herbeiführen könnten. Als die Krieger Cals Julie aufspüren, flieht sie zusammen mit Ruben, ihrem besten Freund Fédéric und dem arroganten, aber gut aussehenden Grafensohn Nicolas aus Paris. Julie ist entschlossen, Cal aufzuhalten und ihre Mutter zu befreien. Ihr Weg führt nach Mont-Saint-Michel, dem Ort, an dem sich Cal verborgen hält. Doch ihre Reise birgt zahlreiche Gefahren. Und mehr als einmal muss Julie sich fragen, ob sie ihren Freunden wirklich vertrauen kann? Und für wen ihr Herz schlägt – für Fédéric oder Nicolas?



 


Anfangs erscheint "Die Prophezeiung der Seraphim" etwas schleppend und zäh, entpuppt sich jedoch nach und nach zu einem spannenden Fantasy-Historik-Mix. Das Ende lässt Spielraum für eine Fortsetzung, ist aber voll und ganz zufriedenstellend.

Das Cover ist sehr ansprechend, schlicht und doch interessant. Wie Tinte in Wasser, bilden sich verschiedene Details heraus. Mir gefällts!

Die Charaktere sind recht interessant und gut ausgearbeitet, allerdings gingen mir einfach zu viele von ihnen gehörig auf die Nerven, als dass ich sie vollkommen gut finden könnte.
Julie ist ein 15-jähriges Mädchen, dessen Leben sich von heute auf morgen komplett ändert. An ihrem 15. Geburtstag entdeckt sie ihre magischen Fähigkeiten, erfährt, dass sie ein Seraphim ist, einen Zwillingsbruder hat und ihr Vater der Erzengel Cal ist, den sie töten muss. Das alles steckt sie überraschend schnell weg und stellt sich ihrer Aufgabe. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind einerseits bewundernswert, andererseits aber auch unglaubwürdig. Sie stellt kaum Fragen, was ihre Identität angeht und auch die schrecklichsten Ereignisse verarbeitet sie im Handumdrehen.
Ihr Bruder Ruben ist wohl einer der nervigsten Charaktere überhaupt. Sein unüberlegtes Handeln und sein ständiger Drang, im Mittelpunkt zu stehen und der Nabel der Welt zu sein, machen ihn für mich zu einer extrem unsympathischen und lästigen Figur. Seine Leichtsinnigkeit lies mich immer wieder genervt seufzen und ich hätte ihn nur zu gerne in den Hintern getreten.
Das übernehmen zum Glück Nicolas und Fédéric, die Julie und Ruben auf der Flucht begleiten. Untereinander können diese Beiden sich jedoch nicht ausstehen, denn beide haben ein Auge auf Julie geworfen. Nicolas ist (laut Fédéric) ein arroganter Schnösel (womit er ehrlich gesagt recht hat) und Fédéric ist Julies bester Freund und (laut Nicolas) ein ungehobelter Bauerntrampel. Ich persönlich mag beide gerne, besonders, wenn sie sich wieder einmal in der Wolle haben.
Das i-Tüpfelchen ist für mich die Katze Songe, die immer an Julies Seite ist. Sie ist eine Wächterkatze und kann mit Julie kommunizieren und hat auch sonst allerhand Tricks auf Lager.
Besonders gut gelungen sind die Bösewichte und die zahlreichen Nebenfiguren, die mich sogar einen Tick mehr überzeugen konnten, als die Protagonisten.
 
Der Erzengel Cal will den Seraphim zu alter Macht verhelfen und sich die Welt untertan machen. Um diesen Plan wahrzumachen, braucht er Julie und Ruben.
Als die Magie der beiden erwacht, dauert es nicht lange, bis die Häscher ihres Vaters ihnen auf den Fersen sind. Eine aufregende Flucht aus Paris beginnt und Julie setzt sich in den Kopf, gemeinsam mit ihrem Bruder und ihren Freunden, die Pläne ihres Vaters zu durchkreuzen.
Die Geschichte braucht eine Weile um in Schwung zu kommen. Danach geht es steil bergauf und die Story fesselt immer mehr. Trotzdem ist das ganze Buch über leider nicht der Funke übergesprungen. Es hat mir sehr gut gefallen, aber das gewisse Etwas fehlt.
Gut gefällt mir besonders, dass die Dreiecksgeschichte zwar präsent ist, aber nicht im Mittelpunkt steht. Es geht wirklich hauptsächlich um die Flucht aus Paris und den anschließenden Kampf gegen Cal und seine Anhänger. Dabei nimmt die Geschichte zahlreiche ungeahnte Wendungen und die actionreichen Szenen häufen sich immer mehr, bis das Buch mit einem wirklich gut gelungenen Showdown endet.

Den Schreibstil der Autorin habe ich Großteils als sehr angenehm empfunden, aber ihre Geschichte hat mich nicht vollkommen erreicht. Ständig blieb eine gewisse Distanz zur Handlung, sodass ich nicht komplett in der Geschichte versinken konnte.


3,7 Punkte



Mascha Vassena
© Claudia Lommel
Mascha Vassena wurde 1970 in Mainz geboren und arbeitete nach dem Studium als Journalistin und Kommunikationsdesignerin. Sie organisierte Poetry Slams und war Mitherausgeberin eines Literaturmagazins. In den letzten Jahren veröffentlichte sie zahlreiche Kurzgeschichten und Erzählungen, bevor sie mit Die Prophezeiung der Seraphim ihren ersten Fantasy-Jugendroman schrieb. Die Autorin lebt heute in der Schweiz.

Kommentare:

  1. Das mit der Distanz ist genau das, was ich auch empfunden habe... Weil "eigentlich" ist es ja richtig gut, interessant, etwas weniger historisch wie ich vermutet habe, Kampf gut gegen böse... alles da! Trotzdem bleibt dieses große Aber...
    Das ist einfach Empfindungssache :-)

    Fédéric vs. Nicolas war toll! Die Sprüche! :-))

    glg
    Steffi

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  2. Die Risiken der Prophezeiung

    "Mit monotoner Regelmäßigkeit haben angeblich kompetente Männer sich darüber ausgelassen, was technisch möglich oder unmöglich sei – und ihre Aussagen haben sich als völlig falsch erwiesen, manchmal schon, bevor die Tinte richtig trocken war. Bei sorgfältiger Analyse scheinen sich diese Debakel in zwei Kategorien teilen zu lassen, die ich mit "Mangel an Mut" und "Mangel an Phantasie" bezeichnen möchte.
    Mangelnder Mut scheint der verbreitetere Fall zu sein. Er tritt ein, wenn der angebliche Prophet, sogar wenn ihm alle relevanten Fakten vorliegen, nicht sehen will, dass sie unweigerlich nur eine einzige Schlussfolgerung zulassen.
    Einige dieser Fehlurteile sind so lächerlich, dass sie kaum zu glauben sind und einen interessanten Gegenstand für psychologische Analysen abgeben würden.

    Alles, was theoretisch möglich ist, wird auch praktisch verwirklicht werden, wie groß die technischen Schwierigkeiten auch sein mögen – wenn nur der Wunsch danach groß genug ist. Es ist kein Argument, gegen irgendein Projekt einzuwenden: "Diese Idee ist reine Phantasterei!" Die meisten Dinge, die in den letzten fünfzig Jahren geschehen sind, schienen zunächst Phantasiegespinste zu sein, und nur wenn wir davon ausgehen, dass es auch in Zukunft so sein wird, haben wir irgendeine Hoffnung, die Zukunft vorhersagen zu können.
    Um das zu tun – nämlich jenen Mangel an Mut zu vermeiden, den die Geschichte stets gnadenlos bestraft – müssen wir die Kühnheit besitzen, allen technischen Extrapolationen bis zu ihren logischen Schlussfolgerungen nachzugehen. Aber selbst das genügt noch nicht, wie ich ebenfalls zeigen werde. Um die Zukunft vorherzusagen, brauchen wir Logik; aber ebenso brauchen wir Glauben und Phantasie, die manchmal im direkten Widerspruch zur Logik stehen können.

    Die zweite Art des prophetischen Versagens ist weniger tadelnswert und wesentlich interessanter. Sie tritt auf, wenn alle verfügbaren Fakten richtig eingeschätzt und geordnet werden – wenn aber die wirklich wesentlichen Fakten noch nicht entdeckt sind und die Möglichkeit ihrer Existenz ausgeschlossen wird."

    Arthur C. Clarke (aus PROFILE DER ZUKUNFT 1962)

    Vor über 3200 Jahren war die freie Marktwirtschaft (das Paradies) ohne Privatkapitalismus (Erbsünde) noch Science Fiction, vor fast 2000 Jahren wäre das "Königreich des Vaters" in rein technischer Hinsicht bereits möglich gewesen (wo wir dann heute wären, sprengt jedes Vorstellungsvermögen), und heute wird die ideale Makroökonomie verwirklicht – sobald die reale Angst vor der bevorstehenden Auslöschung unserer gesamten "modernen Zivilisation" durch die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) insgesamt größer wird, als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion.

    Der einzige wirklich stichhaltige Beweis Gottes (künstlicher Archetyp Jahwe) ist die Unfähigkeit seiner Untertanen, die Natürliche Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) zu verstehen.

    Arbeitsgemeinschaft Neues WirtschaftsWunder

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