Mittwoch, 5. März 2014

[Rezension] Half Bad - Das Dunkle in mir

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila_hires/Green_SHalf_Bad_01_-_Das_Dunkle_143045.jpgTitel: Half Bad - Das Dunkle in mir
Originaltitel: Half Bad
Autor/in: Sally Green
Reihe: #1
Preis: 17,99€
Seiten: 432
Verlag: cbj
Erscheinungdatum: 31. März 2014
ISBN-13: 978-3570158425
Leseprobe
Wenn das Böse in dir lauert, bist du dann dazu
verdammt?

Nathan wird gejagt.
Seit seiner frühesten Kindheit wird er von der Regierung beobachtet, verfolgt, eingesperrt. Denn Nathan lebt in einer Welt, in der – mitten im modernen Alltagsleben – Hexen existieren. Weiße Hexen, die sich selbst für gut erachten und die Regierungsmacht in ihren Händen halten. Schwarze Hexen, die gefährlich und skrupellos sind und im Untergrund arbeiten. Und Nathan, der beides ist – denn seine Mutter war eine Weiße und sein Vater Marcus ist der gefürchtetste Schwarze aller Zeiten. Nathan ist ihm nie begegnet, aber von so einem Vater kann er nur Dunkles und Böses geerbt haben. Oder?
Um an Marcus heranzukommen, stellt der Rat der Weißen eine tödliche Falle – mit Nathan als Köder. Bald wird Nathan von beiden Seiten gejagt und muss sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für die gute Seite in ihm – oder für die böse …


"Half Bad" gilt als Geheimtipp des Verlages. Und das Zurecht!
Das Buch bietet gesellschaftliche Probleme und Defizite, verpackt als Urban Fantasy mit jeder Menge Spannung, Dramatik und Gänsehautmomenten. Der fesselnde Schreibstil tut sein Übriges und macht "Half Bad" zu einem Buch, das zugleich unheimlich fasziniert, zum Nachdenken anregt und die dunkelste Seite der Menschen aufzeigt.

 Das Cover sieht nicht unbedingt schön aus, hat aber einige interessante Effekte zu bieten. Das "Grau" ist in Wirklichkeit ein metallisch glänzendes Silber, sodass die Schrift und das Gesicht aussehen, als würden sie auf flüssigen Silber schwimmen. Ein außergewöhnliches Highlight, dass einen das Buch direkt zweimal anschauen lässt.

Nathan, den Prtagonist des Buches, lernt man schon als Baby kennen. Lückenhaft wird sein Leben vor dem Leser ausgebreitet, um einen Überblick über die Kindheit und den daraus resultierenden Charakter Nathans zu verschaffen. Umso weiter das Alter des Jungen voranschreitet, umso detaillierter und ausführlicher wird die Geschichte, bis man zur Gegenwart aufschließt, auf die man zuvor schon im Prolog einen Blick erhaschen kann.
Als Mischling ist Nathan schon immer gebrandmarkt gewesen und wird nicht nur von Fremden vehement umgangen, sondern muss auch in seiner eigenen Familie mit Anfeindungen kämpfen. Seine älteste Schwester Jessica führt ihm seit jeher ständig erneut vor Augen, dass etwas wie er gar nicht existieren sollte, beschuldigt ihn, den Tod seiner Mutter verursacht zu haben und bezichtigt ihn, durch und durch böse zu sein.
Anders ist sein älter Bruder Arran, der stets sein Anker war. Liebevoll steht er ihm stets zur Seiten, verteidigt ihn wo er kann und nimmt ihn als vollwertigen Bruder an, in der festen Überzeugung, dass das Gute in Nathan überwiegt.
Gemeinsam mit ihrer Schwester Deborah wachsen die Kinder bei ihrer Großmutter auf, nachdem ihre Mutter Selbstmord beging und ihr Vater von Marcus getötet wurde. Marcus, niemand geringerem als Nathans Vater!
Selbst geplagt von seiner Existenz wächst Nathan zu einem verbitterten, unsicheren, aber vor allem einsamen und zutiefst verletzten Jungen heran. Eine Einschätzung, ob er mehr gut oder böse ist, konnte bisher nicht vorgenommen werden. Nathan weiß selbst nicht, zu welcher Seite er gehört, geschweigedenn zu welcher er gehören will. Tief in ihm glimmt die Hoffnung, dass eines Tages sein Vater Marcus auftaucht und ihn aus seinem Elend befreit.
Nathan ist ein sehr komplexer Charakter, der unheimlich greifbar wird. Durch die vielen Einblicke in seine Vergangenheit wächst schnell eine Starke Verbindung zwischen ihm und dem Leser. All das Schreckliche, das ihm wiederfahren ist, erlebt man hautnah mit, sodass man seinen Charakter mehr als nachvollziehen kann und bis in die tiefsten Tiefen seines Ichs schauen kann.
Aber auch die anderen Figuren stehen ihm in nichts nach, sind authentisch und alles andere als klischeehaft.

Nathan ist der Sohn des mächtigsten schwarzen Hexers seiner Zeit: Marcus. Doch seine Mutter war eine weiße Hexe. Er ist ein Mischling, ein Status, der ihm sein Leben zur Hölle macht. Von den weißen Hexen gemieden, von seiner Schwester gepiesackt und von dem normalen Leben abgeschottet, wächst Nathan zu einem jungen Mann heran, der in ständiger Angst lebt.
Sein 17.er Geburtstag rückt näher, ein bedeutender Tag im Leben eines Hexers, denn nur wer an diesem Tag 3 Geschenke und das Blut eines Verwandten erhält, wird zum vollwertigen Magier. Doch dazu ist es nötig, Nathan als weißen oder schwarzen Hexer zu identifizieren, ein Vorgang, der seit Jahren zu keinem Ergebnis kommt. Nathan selbst weiß nicht, ob  er eher gut oder böse ist, oder ob er überhaupt ein weißer Hexer sein will, denn sie haben ihm viel Leid zugefügt.
Die Qualen werden nur immer schlimmer, er wird körperlich misshandelt und stets vom Rat der weißen Hexen im Auge behalten, die seine Freiheit immer und immer mehr einschränken. Eine beständig wachsende Wut wird in Nathan entfacht, der sich an die Hoffnung klammert, von seinem Vater gerettet zu werden. Ein Machtkampf entbrennt, bei dem Nathan eine zentrale Rolle spielt. Verzweifelt und orintierungslos kämpft Nathan für sich und seine Freiheit und dafür, endlich ein normales Leben führen zu können. Doch das scheint unmöglich.
Das Buch hat etwas sehr Spezielles an sich, das bestimmt nicht bei allen auf Begeisterung stößt. Lässt man sich aber darauf ein, lässt die Gewalt und Nathans verletzte Seele auf sich wirken, wird man in einen unerbittlichen Strom gezogen, der einen bis zum Ende und auch darüber hinaus nicht mehr loslässt.
Was das Buch ausmacht ist nicht der Kampf unter den Hexen selbst, sondern wirklich die psychischen Auswirkungen der Machenschaften der weißen Hexen. Man ertappt sich im Verlaufe des Buches immer wieder, wie man selbst gegen die weißen Hexen aufbegehren will, und an die dunkle Seite Nathans appelliert. Ein Gedanke, der sehr erschreckend ist, doch ständig wiederkommt.
Zudem bietet das Buch so viele spannende Wendungen und actionreiche Szenen, dass dem Leser kaum Zeit bleibt, einmal durchzuatmen. Ein Buch, das einen nicht loslässt, einen lange Zeit beschäftigen wird und das einen vollkommen gefangen nimmt.

Der Schreibstil ist sehr speziell und besonders zu Anfang wirkt er etwas befremdlich. Abgehackte Sätze, fast hölzerne Übergänge und eine schlichte, aber dennoch intensive Wortwahl machen den Schreibstil zu etwas ganz Besonderem. Je länger man liest, umso mehr wird man jedoch davon gefesselt, da die Worte wahrhaftig zum Leben erwachen und man vollkommen in der Geschichte und Nathan versinkt.

4,0 Punkte

Sally Green
© Mark Allan
Sally Green lebt in Nordengland, hat einen akademischen Abschluss, einen Beruf und bereits in mehreren Jobs (bezahlten und unbezahlten) gearbeitet. Nun hat sie endlich die Zeit gefunden, die Geschichten aufzuschreiben, die sie sich schon immer ausgedacht hat. Sally Green liest gern, mag Wanderungen in der Natur und möchte weniger Kaffee trinken. Half Bad – Das Dunkle in mir ist ihr Debütroman.

Kommentare:

  1. Ich fand dieses Hin und Her, wer ist gut, wer böse, wirklich genial. Und immer die Frage, ob man böse wird, weil alle das von einem denken...
    Eine solche psychologische Geschichte in ein Fantasy-Outfit zu stecken, fand ich eine geniale Idee :-)

    Liebe Grüße

    Steffi

    AntwortenLöschen
  2. Da kann ich dir nur zustimmen Steffi =)

    AntwortenLöschen
  3. hoffentlich dauert es nicht allzu lange, bis es weiter geht :-(

    AntwortenLöschen
  4. Ui, das klingt toll :D Wie schön, dass ich das Buch schon hier habe ;)

    LG
    Moni

    AntwortenLöschen
  5. Ich wünsch dir ganz viel Spaß damit =)

    AntwortenLöschen
  6. Klingt interessant. Habe dazu schon schlechtere Rezensionen gesehen, aber deine spricht durchaus an. Auch wenn die Kritikpunkt mich noch überlegen lassen, besonders wenn jemand am Schreibstil etwas zu meckern hat. Ich glaube ich brauch eine Leseprobe, eh ich mir ganz sicher bin. :)

    Liebe Grüße
    Katja

    AntwortenLöschen
  7. Die Leseprobe solltest du dir auf jeden Fall anschauen, der Stil ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ;)

    AntwortenLöschen